Meinem Urteilsvermögen müssen definitiv Vitamin D und Sonnenlicht gefehlt haben, denn ich fand mich kurz darauf mit einem Strickzeug in Händen wieder. S T R I C K Z E U G. Das passt in etwa so gut zu mir wie ein geschminkter Clown auf den amerikanischen Präsidentenstuhl. Beides undenkbar, beides wahr.
Während das amerikanische Volk also auf eine Neuverfilmung von „Es“ zuschlitterte, war ich nah dran, mich mit langen Nadeln selbst zu erdolchen; und während „Es“ sich im Labyrinth des eigenen bireweichen Geschwafels verirrte, verhedderte ich mich unaufhörlich in einem merinoweichen 100g-Knäuel. Die mir zugedachte Mission: Socken stricken. Sehr passend eigentlich, wenn man bedenkt, dass einen die internationalen Tagesnachrichten schon damals regelmässig von den Socken hauten.
Rückblickend weitsichtig
Das mir zugedachte Socken-Projekt erscheint mir rückblickend sehr weitsichtig, auch wenn es meinem untalentierten Handarbeits-Ich nach wie vor schwerfällt, das zuzugeben. Doch was wäre in geopolitisch unsicheren Zeiten wichtiger als selbstgestrickte Socken? Wo sonst würde man sein mühsam Erspartes aufbewahren wollen, wenn nicht in einer (in meinem Fall mindestens ebenso mühsam) selbst gestrickten Socke? Gold, Immobilien, Aktien, Obligationen, Krypto – wenn das Weltgeschehen zum Thriller wird, dann schläft es sich doch wohl nirgends besser als auf einer münzharten Socke unter dem Kopfkissen!
Wobei die Schweiz ja ein Pendant zum guten, alten Sparstrumpf hat: Die Pensionskasse. Auch da lässt es sich zwischen Gesetzen, Verordnungen und Reglementen gut verstricken und verheddern, vor allem aber ruhig schlafen. Auch wenn die Pensionskasse den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern immer wieder einmal Kopfzerbrechen bereitet, so ist sie doch deutlich nackenfreundlicher als ein praller Sparstrumpf unter dem Kissen. Denn wenn die Welt zum Problemfall wird, ist das in erster Linie ein Fall – oder Problem – für die Pensionskasse, nicht aber für die versicherte Person. Die versicherte Person darf darauf vertrauen, dass ihre Pensionskasse in Sachen Anlagen eine mindestens ebenso kleidsame Lösung findet wie den handgemachten Beinling. Ob Zopf-, Patent- oder Perlmuster darf der versicherten Person dabei egal sein und auch entglittene Maschen müssen sie nicht kümmern. Will heissen: Welches Strickmuster, welche Anlagestrategie die Pensionskasse wählt, wenn mächtige Geostrategen offensichtlich einen Sockenschuss haben, braucht die versicherte Person nicht zu be-kümmern.
Der dehnbare Sparstrumpf
Apropos kümmern: Die Pensionskasse kümmert sich auch darum, dass das Ersparte nicht nur laufmaschensicher im Socken verwahrt bleibt. Vielmehr soll der Strumpf sich weiter füllen wie sonst nur zu Weihnachten in englischen Kaminen. Merinowolle ist schließlich dehnbar. Füllt sich Ihr Sparstrumpf also auch in geopolitisch schwierigen Zeiten, so ist anzunehmen, dass Ihre Pensionskasse eine im wahrsten Sinne „coole Socke“ ist. Ob andernfalls von einer „faulen Socken“ die Rede sein muss, bleibe mal dahingestellt. Versichert sei Ihnen aber, dass Ihre Pensionskasse für Ihre Rente eher einen Kniestrumpf denn einen Füssling für Sie im Sinn haben dürfte.
Kein Grund also, mit Blick auf Ihre Altersvorsorge in geopolitisch unsicheren Zeiten kalte Füsse zu bekommen. Und falls doch kann ich Ihnen selbstgestrickte Socken wärmsten empfehlen. Ich hätte da auch noch ein Strickzeug abzugeben…
Oder weshalb Sie auch in geopolitisch unsicheren Zeiten nicht zur armen Socke werden.